Friedhof

 

Was hat ein Friedhof mit einem quicklebendigen jungen Mann zu tun?

 

Tja, das kam so: Während meines Abstechers nach Mainz -1987 bis 1996- fuhr ich jährlich etwa 45.000 Kilometer; deshalb glaubte ich meinem Körper etwas zu schulden; nämlich viel Bewegung und so kam es, dass ich im späten Herbst, im Winter und frühen Frühling zu Fuß nach Speyer in´s Mutterhaus lief.

 

Ich schaffte die rund acht Kilometer in etwa 85 Minuten. Damit ich um 8.00 Uhr den Dienst aufnehmen konnte, musste ich um 6.30 Uhr losmarschieren.

 

Meine Route führte mich aus Otterstadt heraus am Binshofhotel vorbei. Die Außenanlage war immer beleuchtet, und deshalb eine Augenweide. Abends auf dem Rückweg noch mehr. Durch´s Binsfeld, vorbei am Rinkenbergerhof -sieben Häuser und eine Menagerie-, in die Kleinsiedlung -Vorort von Speyer- am Stöckelgraben entlang bis zur Auestraße. Hoch zum Friedhof über die Bahngleise, über den Speyerbach und dann nur noch wenige Meter bis zum Ziel.

 

Ich habe kleine Abweichungen eingebaut in der Hoffnung einen „schnelleren“ Weg zu finden. Jedoch die Zeit blieb in etwa gleich und ich kehrte zum ursprünglichen Weg zurück.

 

Es war eine schöne Zeit –meistens-, wenn das Wetter mitspielte. Ein großer Teil der Strecke war unbeleuchtet. Der Wind pfiff um die Bäume und wiegte die kahlen Äste hin und her, wodurch manchmal ein leichtes Unbehagen aufkam.

 

Eines Tages zwang mich ein Bedürfnis den Friedhof bzw. die dortige Toilette aufzusuchen. Ein Blitz durchzuckte mich. „Wenn du weiter durch den Friedhof läufst, sparst du sicher einige Minuten „! Ich bin durch den restlichen Teil des Friedhofes gelaufen, am jüdischen Gräberfeld vorbei……….. Ich habe mich mehrmals umgeschaut!!!!!!!!!!!!!

 

Der Zeitgewinn war geringfügig. Aber, ich schaute mich  noch oft um.

 

Und was soll ich sagen: Ich benötigte eines Tages nur noch 80 Minuten. Lag es nun an der Übung oder doch am jüdischen Gräberfeld????????????

 

Otterstadt, im Oktober 2014